Ein paar grundsätzliche Überlegungen

Das Web der Daten eröffnet vollkommen neue Möglichkeiten der gemeinsamen Verwaltung formalisierter Informationen. Informationen sind ohne Bezug zur kontextuellen Einbettung ihrer Semantik – also jenseits der Stories, in denen diese Informationen erst ihre Bedeutung entfalten und die im überwiegenden Teil nicht oder kaum formalisiert sind – wertlos. Dieser Aspekt wird bei den meisten heutigen Datenprojekten zu wenig beachtet, und so pflastern Datenfriedhöfe den Weg ins Informationszeitalter.

Informations-Aggregationsprojekte wie das Leipzig Data Projekt werden also ohne Identifizierung und Berücksichtigung dieser informellen Kontexte nicht erfolgreich sein können, innerhalb derer verschiedene Aspekte von Stadtgeschichte weitgehend autonom bewegt werden. Wir gehen davon aus, dass es innerhalb jeder solchen Interessengruppe eine eigene “gemeinsame Story” gibt, die sich aus den Stories verschiedener Vereine und Unterstrukturen in der Interessengruppe speist, die mit eigenen digitalen Angeboten im Netz präsent sind. Diese Angebote werden möglicherweise nicht von den Unterstrukturen selbst betreut, sondern von einem Web-Anbieter mit entsprechender technischer Kompetenz.

Informations-Aggregation bedeutet in einem solchen verteilten Kontext Harmonisierung der Datenstrukturierungen und der Werkzeuge. Dabei ist eine Harmonisierung der Datenstrukturierungen auf der Ebene der Interessengruppen selbst zu erreichen (Einigung auf eine gemeinsame Sprache für die gemeinsame Story). Die technische Basis der Werkzeuge und Konzepte, die eingesetzt werden, um eine solche Harmonisierung zu befördern, ist allerdings nicht zwingend interessengruppenspezifisch und kann von einem übergreifenden Projekt wie dem Netzprojekt an der Uni Leipzig entwickelt, fortgeschrieben und als Dienstleistung verschiedenen regionalen Interessengruppen zur Verfügung gestellt werden.

Aus diesen allgemeinen Überlegungen ergibt sich die folgende Strukturierung des Ansatzes:

Ebene 1: Nutzer (Organisationen, Vereine, Unternehmen jenseits der IT) möchten eine solche verteilte gemeinsame Datenbasis innerhalb von Interessengruppen praktisch aufbauen und nutzen.

Ebene 2: Betreiber von Websites für Vereine und Unterstrukturen sind die erste Ebene mit umfassenderer technischer Kompetenz, wie die entsprechenden Wünsche und Vorhaben technisch-praktisch unterstützt werden können. Über standardisierte Lösungen können im Rahmen eines Web-Frameworks mit lesendem Zugriff auf die gemeinsam verwaltete verteilte Datenbasis einer Interessengruppe spezifische Sichten mit Such- und Auswahlfunktionalitäten erstellt und in die Webpräsenz ihrer Kunden eingebaut werden. Der Zugriff auf die gemeinsam verwaltete verteilte Datenbasis geschieht derart, dass in regelmäßigen Abständen ein lokales Abbild der für den jeweiligen Betreiber relevanten Daten erzeugt wird, aus dem das lokale Web-Framework gespeist wird. Hier sind zukünftig dezentralere Ansätze auf technischer Ebene denkbar, die Prozesse der Semantik-Harmonisierung sind jedoch unverzichtbar.

Ebene 3: Im Rahmen der Interessengruppe wird die gemeinsam verwaltete verteilte Datenbasis fortgeschrieben und weiterentwickelt, wobei Harmonisierung und Qualitätssicherung eine zentrale Rolle spielen. Hierfür ist durch die beteiligten Organisationen, Vereine und Unternehmen ein Netzwerk von interessierten und technik-affinen Personen zu knüpfen, die sowohl in die Prozesse des Fortschreibens der gemeinsamen Story der Interessengruppe (Fachkenntnis) eingebunden sind als auch die konzeptionellen und technischen Möglichkeiten des formalisierten “Storytellings” kennen. Dafür stehen Ansätze und Werkzeuge bereit, die in der AKSW-Gruppe an der Uni Leipzig entwickelt werden.

Ebene 4: Interessengruppenübergreifend sind die konzeptionellen und technischen Möglichkeiten des formalisierten “Storytellings” weiterzuentwickeln sowie ein Schulungssystem aufzubauen, das Personal auf den Ebenen 2 und 3 beim Erwerb entsprechender technischer Kompetenz unterstützt.